Coaching-Bubble: Woran erkennst du einen guten Coach?
Ein Zertifikat, überzeugendes Marketing und große Versprechen: Woran erkennst du, ob ein Coach wirklich zu dir passt? Ich teile meine persönlichen Erfahrungen und fünf Dinge, auf die ich vor einer Buchung achten würde.
Die gute Nachricht ist: Jeder kann Coach werden. Die schlechte Nachricht ist: Jeder kann Coach werden.
Diesen Satz habe ich vor einiger Zeit gehört. Und er bringt für mich eine der größten Herausforderungen der Coaching-Branche auf den Punkt.
Es gibt großartige Coaches und Mentoren, die Menschen mit viel Wissen, Erfahrung und Einfühlungsvermögen begleiten.
Aber es gibt auch Menschen, die sich hervorragend vermarkten, große Versprechen machen und am Ende nicht die Unterstützung bieten, die sich ihre Kundinnen und Kunden erhofft haben.
Wie unterscheidest du das eine vom anderen? Und worauf solltest du achten, bevor du Zeit, Vertrauen und Geld investierst?
Ich möchte diese Fragen aus zwei Perspektiven beantworten: Ich habe selbst über Jahre Coaching und Mentoring in Anspruch genommen. Heute arbeite ich nach einer intensiven Ausbildung und vielen Stunden Weiterbildung und Selbsterfahrung als zertifizierte Coachin und Mentorin.
Und ich habe auf diesem Weg sowohl sehr gute als auch enttäuschende Erfahrungen gemacht.
Warum ich selbst Coaching in Anspruch genommen habe
Mein Interesse an Persönlichkeitsentwicklung begann lange bevor ich selbst Coachin wurde. Ich habe viel gelesen, Videos angeschaut und versucht, bestimmte Verhaltensweisen und Erfahrungen besser zu verstehen. Irgendwann kam allerdings ein Punkt, an dem mir dieses Wissen allein nicht mehr ausreichte. Ich hatte einiges über mich verstanden. Aber bestimmte Themen beschäftigten mich weiterhin, und ich merkte, dass ich mir eine persönliche Begleitung wünschte. Also entschied ich mich für ein intensives 1:1-Coaching.
Das war damals eine größere finanzielle Investition. Und natürlich habe ich mich gefragt, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Rückblickend kann ich sagen: Für mich war es genau der richtige Schritt.
Ich hatte eine Mentorin an meiner Seite, der ich vertraute. Sie kannte sich mit meinen Themen aus, nahm mich ernst und begleitete mich individuell. Das war für meine persönliche Entwicklung unglaublich wertvoll.
Später habe ich allerdings auch eine andere Erfahrung gemacht. Ich buchte ein Business-Coaching, von dem ich mir konkrete Unterstützung für meine berufliche Situation erhoffte. Was ich bekam, entsprach im Nachgang nicht wirklich meinen Erwartungen. Ich habe gehofft, auf meine berufliche Selbstständigkeit optimal und individuell vorbereitet zu werden.
Mir wurden vor allem Ansätze vermittelt, die bei der anderen Person funktioniert hatten. Wie eine Art Schablone. Ich hatte mir aber gewünscht, dass wir genauer auf meine individuelle Situation eingehen und noch intensiver die nächsten Schritte planen. Weniger spirituell (z.B. sollte ich mich einfühlen, welche Preise für meine Produkte richtig seien) und mehr rational und strategisch.
Fast alles musste ich mir anschließend selbst erarbeiten. Natürlich konnte ich auch daraus etwas mitnehmen. Aber gemessen an meinen Erwartungen und der Investition war ich enttäuscht. Und genau diese beiden Erfahrungen haben meinen Blick auf die Coaching-Branche geprägt.
Coaching kann sehr wertvoll sein. Aber nicht jedes Coaching passt zu jedem Menschen.
5 Dinge, auf die ich bei der Auswahl eines Coaches achten würde
1. Vertrauen: Kannst du dich bei dieser Person wirklich öffnen?
Für mich beginnt gute Begleitung mit Vertrauen. Gerade wenn du an persönlichen Themen arbeiten möchtest, geht es möglicherweise um Erfahrungen, über die du bisher kaum gesprochen hast.
Vielleicht möchtest du verstehen, warum du immer wieder in Beziehungen gerätst, in denen du sehr viel gibst, aber wenig zurückbekommst.
Vielleicht fällt es dir schwer, Grenzen zu setzen.
Oder du hast das Gefühl, ständig für andere verantwortlich zu sein.
Dafür brauchst du jemanden, bei dem du dich ernst genommen und respektiert fühlst.
Frage dich deshalb:
Kann ich mir vorstellen, mit dieser Person offen über meine Situation zu sprechen?
Habe ich das Gefühl, dass mir wirklich zugehört wird?
Fühle ich mich verstanden oder eher bewertet?
Sympathie allein ist noch keine fachliche Qualifikation. Aber ohne Vertrauen wird eine intensive Zusammenarbeit schwierig.
2. Kompetenz: Kennt sich die Person mit deinem konkreten Thema aus?
Nicht jeder Coach kann bei jedem Anliegen gleichermaßen unterstützen.
Wenn du beispielsweise an emotionaler Abhängigkeit oder wiederkehrenden destruktiven Beziehungsmustern arbeiten möchtest, würde ich darauf achten, ob sich die Person intensiv mit diesen Themen beschäftigt.
Welche Ausbildung bringt sie mit? Welche Erfahrungen hat sie? Hat sie einen erkennbaren Schwerpunkt? Und kann sie dir verständlich erklären, wie sie arbeitet?
Ich persönlich würde mich nicht allein von einem ansprechenden Internetauftritt, einer hohen Followerzahl oder überzeugenden Verkaufsversprechen leiten lassen.
Gutes Marketing ist nicht automatisch ein Nachweis für gute Begleitung.
3. Selbsterfahrung: Hat sich dein Coach auch mit den eigenen Themen beschäftigt?
Dieser Punkt liegt mir besonders am Herzen.
Eine fundierte Ausbildung kann wichtiges Fachwissen und hilfreiche Methoden vermitteln. Aber ein Zertifikat allein sagt für mich noch nicht alles darüber aus, wie reflektiert jemand mit sich selbst und anderen umgeht. Wenn ich Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung begleite, halte ich es für absolut notwendig, dass ich auch bereit bin, meine eigenen Verhaltensweisen zu hinterfragen.
Wo liegen meine persönlichen Grenzen? Wie gehe ich mit schwierigen Emotionen um? Kann ich unterscheiden, was zu meiner eigenen Geschichte gehört und was meine Klientin gerade beschäftigt?Und bin ich bereit, mich selbst weiterzuentwickeln?
Ich habe bereits vor meiner Coaching-Ausbildung intensive persönliche 1:1 Begleitung über Monate in Anspruch genommen. Auch während und nach meiner Ausbildung habe ich weiter an meinen eigenen Themen gearbeitet. Das war für mich keine lästige Pflicht, sondern ein wesentlicher Teil meines Weges. Und ich habe es gerne gemacht, da Wachstum und Weiterentwicklung für mich wichtige Werte sind.
Natürlich muss ein Coach nicht jede Erfahrung selbst gemacht haben, um andere Menschen professionell begleiten zu können. Aber ich finde, dass fachliches Wissen, Reflexionsfähigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Grenzen zusammengehören.
Persönliche Entwicklung hört schließlich auch für einen Coach nicht auf.
4. Individuelle Begleitung: Wird wirklich auf dich eingegangen?
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Andere Erfahrungen. Andere Bedürfnisse. Andere Werte. Und deshalb funktioniert nicht bei jedem Menschen dieselbe Vorgehensweise.
Ein Beispiel:
Zwei Frauen wünschen sich beide eine gesunde Beziehung. Die eine möchte lernen, ihre Grenzen deutlicher auszusprechen. Die andere hat Schwierigkeiten, sich aus einer Beziehung zu lösen, obwohl sie längst spürt, dass ihr diese nicht guttut.
Beide möchten etwas verändern. Aber ihre Ausgangssituationen sind unterschiedlich. Deshalb halte ich wenig davon, Menschen einfach eine fertige Schablone überzustülpen.
Eine gute Begleitung sollte dort ansetzen, wo du gerade stehst – nicht dort, wo irgendein Standardprogramm beginnt.
Und noch etwas ist mir wichtig:
Es reicht nicht immer, nur zu verstehen, warum bestimmte Dinge in deiner Vergangenheit passiert sind. Diese Erkenntnisse können wertvoll sein. Aber irgendwann geht es auch um deine Zukunft.
Wie möchtest du künftig leben? Welche Beziehungen möchtest du führen? Welche Grenzen möchtest du setzen? Und woran wirst du im Alltag erkennen, dass sich tatsächlich etwas verändert?
Für mich gehört beides zusammen: die Vergangenheit besser verstehen und die Zukunft bewusster gestalten.
5. Realistische Erwartungen: Werden dir schnelle Lösungen versprochen?
Vielleicht kennst du diesen Moment:
Du hast erkannt, dass du etwas in deinem Leben verändern möchtest. Du bist entschlossen. Du hast keine Lust mehr auf dieselben Konflikte, dieselben Enttäuschungen und dieselben Beziehungsmuster. Am liebsten soll sich jetzt sofort alles ändern.
Dieses Gefühl kenne ich. Aber Verhaltensweisen, die sich über viele Jahre entwickelt haben, verändern sich meistens nicht über Nacht.
Natürlich kann eine einzelne Erkenntnis unglaublich viel bewegen.
Vielleicht sagst du zum ersten Mal ein deutliches Nein. Vielleicht erkennst du ein Beziehungsmuster, das dir vorher gar nicht bewusst war. Oder du entscheidest dich, einen Menschen auf Abstand zu halten, bei dem du früher immer wieder eine Ausnahme gemacht hättest.
Das können große Schritte sein.
Aber die eigentliche Veränderung zeigt sich häufig erst im weiteren Alltag. Was machst du, wenn dir erneut jemand begegnet, der dich ähnlich behandelt wie Menschen aus deiner Vergangenheit?
Erkennst du das Muster früher? Kannst du deine Bedürfnisse klarer wahrnehmen? Und entscheidest du dich diesmal anders?
Genau deshalb wäre ich bei Versprechen wie „Ich verändere dein Leben in wenigen Wochen“ oder „Ich heile dich über Nacht“ sehr skeptisch.
Eine verantwortungsvolle Begleitung sollte keine Ergebnisse garantieren, die sie nicht garantieren kann.
Sie sollte dir vielmehr transparent erklären, wie die Zusammenarbeit aussieht und was du realistischerweise erwarten kannst.
Wie kannst du herausfinden, ob ein Coach wirklich zu dir passt?
Ich würde mir eine Person zunächst eine Weile anschauen. Lies ihre Blogbeiträge. Höre ihren Podcast. Schau dir Videos an. So habe ich damals selbst meinen Weg in die Persönlichkeitsentwicklung gefunden.
Ich habe viel über YouTube gelernt, Bücher gelesen und mich intensiv mit den Menschen beschäftigt, deren Inhalte mir weitergeholfen haben. Mit der Zeit habe ich gemerkt, wem ich vertraue und mit wessen Arbeitsweise ich mich identifizieren kann. Das würde ich heute wieder so machen.
Dabei würde ich mir insbesondere drei Fragen stellen:
1. Hilft mir bereits das, was die Person kostenlos teilt?
Kann ich die Inhalte nachvollziehen? Bekomme ich neue Perspektiven? Habe ich das Gefühl, dass die Person mein Thema versteht?
2. Ist ihre Haltung über längere Zeit stimmig?
Spricht sie offen über Herausforderungen und Grenzen? Oder klingt alles nach einer schnellen, einfachen Lösung?
3. Passt die Zusammenarbeit zu meiner Situation?
Kann ich Fragen stellen? Werden meine individuellen Ziele berücksichtigt? Ist transparent, was angeboten wird und was nicht?
Wenn sich diese Fragen für dich positiv beantworten, kann ein persönliches Kennenlerngespräch ein sinnvoller nächster Schritt sein.
Du musst nicht den Menschen auswählen, der am lautesten auftritt.
Wichtiger ist, dass Kompetenz, Arbeitsweise und Vertrauen für dich zusammenpassen.
Was gute Begleitung für mich heute bedeutet
Eine der wertvollsten Erfahrungen aus meinem eigenen Mentoring war, dass ich nicht einfach nur Antworten bekommen habe.
Ich habe gelernt, mich selbst besser zu verstehen. Meine Grenzen deutlicher wahrzunehmen. Und meinen eigenen Entscheidungen mehr zu vertrauen.
Heute ist mir deshalb wichtig, Frauen nicht einfach zu sagen, was sie tun sollen.
Ich möchte mit ihnen gemeinsam herausfinden, weshalb bestimmte Beziehungsmuster immer wieder auftreten, was sie sich eigentlich wünschen und wie sie daraus neue Entscheidungen entwickeln können.
Gerade starke und reflektierte Frauen haben häufig schon unglaublich viel geleistet. Sie können Verantwortung übernehmen, schwierige Situationen bewältigen und für andere da sein. Aber manchmal geraten genau diese Fähigkeiten in Beziehungen aus dem Gleichgewicht.
Wenn du immer diejenige bist, die Verständnis aufbringt, unterstützt und versucht, alles zusammenzuhalten, stellt sich irgendwann die Frage:
Wer ist eigentlich für dich da, wenn du selbst einmal Unterstützung brauchst?
An solchen Punkten kann es wertvoll sein, sich begleiten zu lassen. Nicht, weil du nicht stark genug bist. Sondern weil du vielleicht beginnen möchtest, deine Stärke anders einzusetzen.
Mein Fazit: Lass dich von der Coaching-Bubble nicht entmutigen
Trotz meiner kritischen Erfahrungen bin ich nach wie vor eine große Befürworterin von Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe selbst erlebt, wie hilfreich die richtige Begleitung sein kann.
Gleichzeitig wünsche ich mir mehr Transparenz in der Coaching-Branche. Mehr fachliche Weiterentwicklung. Mehr Bereitschaft zur Selbstreflexion. Und weniger unrealistische Versprechen.
Wenn du gerade darüber nachdenkst, dir Unterstützung zu holen, möchte ich dich deshalb ausdrücklich ermutigen, dich gut zu informieren. Schau genau hin. Stelle Fragen. Nimm dir Zeit für deine Entscheidung. Und achte darauf, ob du dich bei der Person fachlich und menschlich gut aufgehoben fühlst.
Du investierst nicht nur Geld. Du investierst Zeit, Vertrauen und die Bereitschaft, etwas in deinem Leben zu verändern.
Das verdient eine Begleitung, die dich und deine individuelle Situation ernst nimmt.
Du möchtest mehr über meinen Ansatz erfahren?
Ich bin Juliane Rein und begleite starke, reflektierte Frauen dabei, destruktive Beziehungsmuster zu erkennen, sich aus emotionaler Abhängigkeit zu lösen und gesunde Beziehungen auf Augenhöhe zu gestalten.
In meinem 1:1 Mentoring arbeiten wir über 6 Monate an deinen persönlichen Themen, Bedürfnissen und Grenzen.
Meine exklsuiven 1:1 Hike & Ride Retreats im Allgäu und in Girona / Costa Brava verbinden intensive 1:1-Beziehungsarbeit mit Bewegung in der Natur. Wir schaffen bewusst Abstand zum Alltag und beschäftigen uns mit deiner individuellen Situation und den nächsten Schritten, die du daraus ableiten möchtest.
Wenn du herausfinden möchtest, ob meine Begleitung zu dir passt, kannst du mich zunächst in einem kostenfreien 15-minütigen Gespräch kennenlernen.
Über meine Linkübersicht findest du außerdem alle weiteren Möglichkeiten der Zusammenarbeit:
Lieber hören statt lesen?
In meiner Podcastfolge Healthy Relationship spreche ich ausführlicher über meine eigenen Erfahrungen mit Coaching, meine Sicht auf die Coaching-Bubble und darüber, worauf ich heute bei der Auswahl eines Coaches achten würde.
Die vollständige Folge findest du auf YouTube und Spotify.
